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VMW-Studienfahrt 2025

6.– 9. Juli 2025

Halle (Saale) und Wernigerode in Sachsen-Anhalt

 

 

In diesem Jahr führten uns die Ziele der VMW-Studienfahrt nach Halle und Wernigerode in Sachsen-Anhalt. Das Bundesland im Herzen Deutschlands liegt geografisch nah, wirkt jedoch mit seinen besonderen Rahmenbedingungen und seiner bewegten Geschichte – insbesondere im Wohnungsbau – wie eine „ganz andere Welt“.

Am Sonntag, den 6. Juli, starteten 29 Teilnehmende aus 15 Münchner Wohnungsunternehmen sowie der VdW Bayern-Gruppe in München. Zur Einstimmung hörten wir im Bus ein aufgezeichnetes Gespräch zwischen Yvonne Außmann, Vorständin der WOGENO eG, und Dr. Bernd Hunger, Leiter des Kompetenzzentrums Großsiedlung. Dieses vermittelte uns wertvolle historische und wohnungswirtschaftliche Hintergründe und schärfte unseren Blick für die bevorstehenden Eindrücke.

 

Halle – Stadtgeschichte und Großsiedlungen

Das Programm begann mit einer klassischen Stadtführung durch Halle, bei der wir viel über die lange Geschichte der Stadt der Salzsieder erfuhren.

 

Am Hallmarkt mit Blick auf die Marktkirche St. Marien

 

Am Montagmorgen besuchten wir die Geschäftsstelle der GWG Halle-Neustadt. Geschäftsführerin Jana Kozyk begrüßte uns herzlich und gab Einblicke in die Herausforderungen der kommunalen Gesellschaft mit rund 10.000 Wohnungen – sowohl nach der Wende als auch heute. Anschließend begleiteten uns Projektleiter Michael Hofmann und Pressesprecherin Anja Achsnig durch die größte Großsiedlung Deutschlands. Wir sahen teilrückgebaute Plattenbauten, umgestaltete Grundrisse für Studierendenwohnungen und soziale Einrichtungen für die Nachbarschaft. Mit großem Respekt hörten wir von der Arbeit der GWG in einem schrumpfenden Markt mit niedrigen Mieteinnahmen.

Die Gruppe am Tulpenplatz in Halle- Neustadt, mit Herrn Hofmann und Frau Achsnig

Nach den Eindrücken „in der Fläche“ ging es hoch hinaus: Das Stadtplanungsamt Halle-Neustadt befindet sich in einer der fünf Hochhausscheiben. Von der Dachterrasse im 16. Stock der modern sanierten „Scheibe“ bot sich uns – gemeinsam mit Frau Lütgert, Leiterin der Abteilung Stadterneuerung – ein beeindruckender 360-Grad-Blick über das Siedlungsgebiet. In einem anschließenden Vortrag erläuterte Frau Lütgert die Rahmenbedingungen der Stadtentwicklung in Halle und Sachsen-Anhalt.

Blick über das große Siedlungsgebiet von der Dachterrasse

Die noch nicht sanierten Hochhausscheiben an der Neustädterpassage

Am Nachmittag stieg Guido Schwarzendahl, Geschäftsführer des Bauvereins Halle-Leuna eG, zu uns in den Bus. In der südlichen Innenstadt besichtigten wir städtebauliche Strukturen aus der Gründerzeit bis in die 1920er Jahre. Besonders beeindruckte uns die Umgestaltung von Innenhöfen zu klimaresilienten Außenanlagen mit hoher Aufenthaltsqualität – ein Beispiel für die vorausschauende Arbeit der Genossenschaft trotz begrenzter Mittel.

Umgestalteter Innenhof im Lutherviertel zu nachhaltigem Klimahof

Ein weiteres Highlight war die liebevoll sanierte automatisierte Hochgarage aus den 1920er Jahren – ein technisches Baudenkmal, das heute als beliebter Drehort dient. Schon damals spielte Mobilität eine zentrale Rolle!

In der automatisierten Hochgarage

Den Tag rundete der Besuch bei der Genossenschaft Eigene Scholle eG ab, die 2024 den Deutschen Bauherrenpreis für den Umbau eines Schulgebäudes aus den 1930er Jahren zu Wohnungen erhielt. Vorstand Dr. Tautz und Mitarbeiterin Frau Kretschmer führten uns durch das umgebaute Schulgebäude und die angrenzenden Neubauten – gestalterisch und funktional auf höchstem Niveau.

Im Eingangsbereich eines Neubaus neben dem umgebauten Schulgebäude

Am Dienstag fuhren wir weiter Richtung Wernigerode. Auf halber Strecke trafen wir Mike Eley, Geschäftsführer der AGW Aschersleben. Er stellte uns ein innovatives Projekt vor: den Umbau von Plattenbauten zu energieautarken Gebäuden mit hohem PV-Anteil, Passivhausstandard, All-inclusive-Mieten und Infrarotheizungen. Besonders beeindruckte die konsequente Berücksichtigung der Rezyklierbarkeit der Baustoffe – ein zukunftsweisender Ansatz mitten in der mitteldeutschen Provinz.

Vor einem sanierten Gebäude mit PV-Fassade

In Wernigerode empfing uns die kommunale Wohnungsbaugesellschaft GWW in ihrer Zentrale. Geschäftsführer Christian Zeigermann und Prokuristin Kristin Grunewald berichteten über das Neubau- und Sanierungsprogramm sowie die Besonderheiten des Fachwerkortes am Harz. Hier stieß nun Dr. Bernd Hunger zur Gruppe und vertiefte seine Gedanken zur Transformation von Großsiedlungen.

Wir besichtigten „Die Welle“, eine modernisierte Plattenbauanlage mit geschwungener Dachform, Kunst am Bau, klimaresilienten Innenhöfen und klassischer Sanierung – ein beeindruckendes Beispiel für gelungene Transformation.

Christian Zeigermann und Dr. Bernd Hunger

„Die Welle“ mit Blick auf den Brocken

Die „Sonnenhäuser“ sind ganz auf die Nutzung regenerativer Energien optimiert

Ein kleines Neubauprojekt mit 15 Mietwohnungen am Altstadtrand setzt die Nutzung regenerativer Energien konsequent um: PV-Paneele auf sonnenstandsoptimierten Satteldächern und Wärmepumpen ermöglichen CO₂-freies Wohnen.

Den Abschluss bildete eine stimmungsvolle Nachtwächterführung durch die Altstadt und ein Besuch im Wernigeröder Schloss. Mit vielen neuen Eindrücken aus einer bislang wenig bekannten Region kehrten alle Teilnehmenden wohlbehalten nach München zurück.

Die Gruppe mit Herrn Zeigermann und Frau Grunewald im umgebauten Klimahof

27.7.2025, BEG