Die WohnungswirtschaftMünchen

wagnisART – preisgekrönt

Ein besseres Timing hätten sich die Genossen von wagnis nicht wünschen können. Passend zum Einweihungsfest am 16. September wurde der Genossenschaft für das Projekt wagnisART der Deutsche Städtebaupreis 2016 verliehen. Wer einen Rundgang durch die Wohnanlage macht, versteht, dass die Jury diese Entscheidung getroffen hat.

„Wir haben den Anspruch die Welt zu verändern“, sagte die Projektleiterin von wagnisArt Elisabeth Hollerbach bei ihrer Begrüßungsansprache. Das ehemalige Vorstandsmitglied der wagnis eG weiß wovon sie spricht. Bereits die ersten vier Projekte der Genossenschaft haben Maßstäbe gesetzt und wurden vielfach ausgezeichnet. Die neue Wohnanlage ist für Hollerbach das bisher am meisten gemeinschaftsfördernde wagnis-Projekt. Kein Wunder, bietet wagnisART seinen Bewohnern doch einen Veranstaltungssaal, Gemeinschaftsräume, Werkstätten, Ateliers, Proberäume, Gemeinschaftsterrassen, zwei Dachgärten, Waschcafé und Nähstube, Gäste-Apartments, einen Toberaum und einen Bade- und Saunaraum. Bis zum Winter soll zudem mit dem GastHaus ein Speisecafé für alle Bewohner des neuen Stadtquartiers Domagkpark eröffnen. Denn, das macht Hollerbach bei ihrer Ansprache deutlich, die Genossenschaftsmitglieder sehen sich nicht als abgeschottetes Dorf, sondern als städtische Gemeinschaft, die auf die Nachbarschaft und das Quartier orientiert ist.

Die Bewohner der 138 neuen Wohnungen wissen dabei sehr genau, worauf sie sich einlassen. Bereits seit Beginn der Planung von wagnisART im Jahr 2009 sind sie intensiv an der Planung ihres neuen Zuhauses beteiligt gewesen. Dadurch hat sich schon lange vor Bezug der Wohnungen eine Gemeinschaft gebildet. Diese Form der Mitsprache war sicher für alle am Projekt Beteiligten etwas Neues, doch auch für die Architekten und Planer offensichtlich bereichernd. Bei der Führung durch die Wohnanlage erzählen die verantwortlichen Architekten der Arbeitsgemeinschaft bogevischs buero architekten & stadtplaner GmbH/ und SHAG Schindler Hable Architekten GbR von der intensiven Partizipation bei der auch die Entwurfsautonomie der planenden Architekten in Frage gestellt wurde. Die Mitsprache machte auch vor Türfarben (sieben Varianten) nicht halt.

Doch nicht nur mit den Architekten wurde diskutiert, sondern auch innerhalb von durch Hollerbach geleitete Gruppen, die sich z.B. der Themen Gemeinschaft, Nachhaltigkeit, Wohnen und Arbeiten, Neue Wohnformen, Freiflächen und Außenraum der Differenzierung der Projektziele widmeten, so dass eine breite Beteiligungsstruktur entstehen konnte. Allerdings sind natürlich nicht alle Wünsche der Mitglieder in Erfüllung gegangen und es war auch „keine Selbstverwirklichung in der Steckdose“ gewünscht. Die Botschaft kam an und die Genossen dankten es ihr mit einer Steckdosen-Skulptur, die bei der Einweihung überreicht wurde. „Das bisher schönste Geschenk“, schmunzelte Hollerbach.

Das Projekt wagnisART ist nicht nur wegen seiner Türfarben etwas Einmaliges. Afrika, Asien, Amerika, Australien und Europa – nach den fünf Kontinenten haben die Bewohner ihre neuen Häuser benannt. Und anders als die Namensgeber, sind die Häuser durch Brücken und Wege eng verbunden. Sie gruppieren sich um zwei zentrale Plätze: den Dorfplatz und den grünen Oasenhof. Die Wohnungen sind zu 30 Prozent frei finanziert, zu 40 Prozent im Rahmen des München Modells für Genossenschaften und zu 30 Prozent öffentlich gefördert (EOF).

Eine völlig neue Wohnform bieten dazu die neun sog. Wohnungs-Cluster. Das sind große Wohnungen mit fünf bis zehn Apartments für Singles, Paare und Familien. Jedes Apartment hat eine Teeküche und ein eigenes Bad, eine große Gemeinschaftsfläche als Küche, Ess- und Wohnzimmer für alle Bewohner dient der Begegnung. Mit dem Cluster möchte wagnis eine zeitgemäße Antwort auf den gesellschaftlichen Wandel und die damit einhergehende Vereinzelung und Vereinsamung geben.

Vorzeigeprojekt für das Bauen von Morgen

Auch Ministerialdirigent Rainer Haselbeck von der Obersten Baubehörde zeigte sich beeindruckt von dem „tollen Vorzeigeprojekt“. Der Leiter der Abteilung Wohnungswesen und Städtebauförderung ist überzeugt, dass das Modell zukunftsweisend ist. Die OBB hat das 42 Mio Euro teure Projekt mit Darlehen in Höhe von 3,8 Mio. Euro unterstützt und förderte bereits die ersten wagnis Projekte. „Das Bauen von Morgen findet hier statt“, sagte Haselbeck. Denn der gesellschaftliche Wandel werde auch zu einem Wandel des Wohnens führen.

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